Als Generalsekretär Tô Lâm voller Begeisterung in den Gaza-Friedensrat eintrat – eine Initiative, die deutlich die Handschrift Donald Trumps trägt –, wurde dies als Friedensmission bezeichnet. Doch zwischen dem Donnern der Waffen im Nahen Osten und dem hörbaren Seufzen aus dem Norden klingt „Frieden“ eher wie ein wohlklingender Vorwand für ein riskantes Spiel.

Die Nachrichtenagentur Xinhua zögerte nicht, diese Organisation als „eine neue Form von Hegemonie“ zu verspotten. Diese Wortwahl kommt einem missbilligenden Stirnrunzeln Chinas gegenüber seinem „Bruder“ gleich, der sich gerade den Vereinigten Staaten zugewandt hat. In dieser Lage wirkt die sogenannte „Bambusdiplomatie“ plötzlich wie eine Zirkusnummer: Weht der Westwind stark, neigt man sich nach Westen; pfeift der Nordwind schrill, richtet man hastig wieder die Wurzeln aus.
Ist das ein Ausbruch aus Chinas Einfluss – oder nur ein Rollenwechsel? Das ferne Gaza mag eine schöne Bühne sein, um in Washington Punkte zu sammeln, doch der Preis dafür könnte sehr viel näher an der Grenze liegen. Der Balanceakt zwischen zwei Großmächten war noch nie ein Spiel für schwache Nerven. Ein Fehltritt im Nahen Osten könnte sich leicht in einen langen Absturz im Norden verwandeln.
Und wenn der „Bambus“ sich nach der westlichen Sonne streckt, ist die größte Sorge nicht, wie weit er sich neigt, sondern ob seine Wurzeln überhaupt noch fest genug im Boden verankert sind.










